«Die Politik errichtet Grenzen,

Bildung und Wissenschaft bauen sie ab»

«Himmlische Brezel». Venka Yuneva

… Vaters Traum vom traurigen Clown

 

… Schon längst hat der Vater Iri versprochen, sie mal in seinen Traum mitzunehmen. Er sagte, dass sie in diesem Traum einen großen Platz besuchen werden: den Hauptplatz eines außerordentlich musikalischen Landes mit süßem Geschmack. Und dort gibt es viele Cafes und Imbissstände, es riecht nach Kaffee, Schokolade und Hörnchen und Brezeln.

 

Auf diesem Platz wird es auch einen riesengroßen Bildschirm geben, und sobald Vater und Iri einschlafen, wird ein Film über einen Clown, der Slava Snowchow heißt, beginnen.

 

Immer, wenn Iri an Vaters Versprechen dachte, blieb ihr Herz stehen. Sie hat keine Fragen gestellt und nur gewartet. Sie wollte nicht, dass der Vater ihr etwas erzählt und sie somit aufklärt, denn auch sie wollte mal eine nicht aufgeklärte Beobachterin sein.

 

Und nun war es soweit. Sie war im Traum ihres Vaters. Auf der Bühne erschien ein Clown in Gelb, mit einem roten Schal und ebenso roter Nase. Er war traurig, gleichzeitig aber auch lustig. Iri sah seine Augen, seine Ohren, seine Bartstoppeln. Das groß werdende Mädchen und der in die Kindheit zurückkehrende Clown schauten einander an. Da ertönte Musik, und der Clown fing an zu tanzen. Das war ein langsamer träumerisch-romantischer Tanz, und als Tänzer war der Clown nicht sehr geschickt. Das fand Iri sehr rührend, außerdem erinnerte sie der Tanz an die wunderbaren Kaleidoskop-Muster. Es war eine der Lieblingsbeschäftigungen von Iri, bunte, ständig ändernde Zaubermuster durch das Glasfensterchen zu betrachten. So war auch der Tanz des Clowns. Die Muster seines Tanzes, die Bewegungen seiner Beine und Arme wiederholten sich nie. Oder schien es Iri nur? Jede neue Tanzfigur war schöner, als alle früheren. Fasziniert von der Form und den Farben des Tanzes, beobachtete Iri den Clown. Er war immer noch traurig.

 

Plötzlich hat Iri alles verstanden. Das war ihr Vater, der tanzte, traurig war und Iri aufheitern wollte.

 

Die plötzlich auf der Bühne erschienenen neuen Clowns ließen Iri ihre Endeckung vergessen. Die Clowns kamen einer nach dem anderen, und bald wimmelte es auf der Bühne von Clowns in grünen Mänteln und Mützen mit großen Ohrenklappen.

 

Die Clowns bewegten sich ununterbrochen: sie tanzten, telefonierten, sangen, fingen Fische, liefen hintereinander her, sprangen in einen Schneesturm weg, jagten Seifenblasen, leckten sich den Mund, schliefen, luden einander ins Kino ein, verwickelten sich in Spinnennetzen, trafen und verabschiedeten sich. Sie liefen mit offenen Armen dem Leben entgegen. Sie lehrten die Menschen ihre Flügel auszubreiten. Die Augen der Clowns waren voller Liebe, und Iri schien, diese Liebe würde nicht nur für alle Kinder der Welt reichen, sondern auch für Erwachsene, auch für die, die böse, brummig und unfreundlich sind.

 

Iri saß wie angekettet und schaute dem Treiben des Clowns zu, ohne ihre Augen abzuwenden. Sie möchte so sehr unter den Clowns sein! „Darf ich, Vati?“ Und schon war sie auf der Bühne!

 

„Er hat’s erlaubt!“ Aber wer ist das da? Der Junge mit schönen Wimpern als Clown?!

 

Er kam auf die Bühne mit einer großen Münchner Bratwurst und einer riesigen Senftube. Iri lachte laut auf: „Iss mich auf! Iss mich doch auf!“

 

Aber der als Clown verkleidete Junge mit den schönen Wimpern ließ die Idee mit dem Würstchen und brachte eine große Tüte mit Bonbons, die er um sich warf, auf die Bühne. Auch Iri ist es gelungen, ein paar von diesen zu “fangen“. In der Tasche ihres Rucksacks hat sie Papiertaschentücher entdeckt, die ihre Mutter vorsorglich eingesteckt hatte.

 

Mit einer Schere (die wohl den Clowns gehörte) schnitt Iri im Taschentuch Löcher für die Augen und ein quadratisches Loch für den Mund aus.

 

– Wer ist das? – wollten die Clowns wissen.

– Herr „Lochkopf“!

– Was? Herr „Lochkopf“?! Wir sind noch mehr geworden! Zu uns sind Iri und Herr „Lochkopf“ gekommen.

 

Alle amüsierten sich, wie sie nur konnten, und es war sehr lustig. Iri merkte, dass aus den Augen des Hauptclowns, der eigentlich ihr Vater war, die Traurigkeit verschwand. Sie strahlten Liebe und Güte aus und gaben Iri ein Signal, dass es nun Zeit ist, aufzuwachen und heimzukehren.

Buchen Venka Yuneva «Himmlische Brezel» /elektronische Version/ wird bald in den Verkauf gehen.